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Frijgard (SWI), Freakings (SWI), Headless Project (SWI)
Kulturhotel Guggenheim, Liestal, Schweiz - 07.08.2021
Abschiede gehören zum Leben dazu. Das ist wie die Luft zum Atmen oder der Tod, der einen früher oder später ereilen wird. Es gibt Abschiede, die einem leichter und schwerer fallen. Zu der letzteren Kategorie zählt man Ereignisse wie z.B. schmerzhafte Trennungen, Todesfälle von Familienmitgliedern, Freunden, Haustiere oder Bands, die mit ihrer Musik für schöne Momente gesorgt haben und plötzlich ihre Auflösung bekannt geben. So war es mir ergangen als ich auf Facebook das Abschiedskonzert von der Schweizer Band Frijgard stiess und es nicht glauben konnte. Diese Gruppe gründete sich vor 12 Jahren und im Oktober desselben Jahres wurde die Demo CD „Morgenrot“ veröffentlicht und das erste Konzert gespielt. Im Mai 2011 erschien das Album „Nebelwacht“ und „Bellum Aeternum Est“ im April 2014. Das dritte Album „Chapter Zero“ wurde 2019 veröffentlicht.
Ich durfte sie zweimal im Rockfact Music Club live erleben und beide Auftritte waren von Erfolg gekrönt. Als Veranstaltungsort für ihr Abschiedskonzert wurde das Kulturhotel Guggenheim in der Hauptstadt Liestal vom Kanton Baselland auserkoren. Auf dem Plakat wurden die beiden lokalen Bands Headless Project und Freakings als Vorbands angekündigt. Bei diesem musikalischen Abschied musste ich dabei sein und machte mich auf den Weg nach Liestal. Im Vorfeld wurde angekündigt, dass der Einlass nur mit Covid-Zertifikat erlaubt würde mit Status geimpft, genesen oder getestet. Nachdem diese Formalitäten erledigt wurden, trat man mit einer Schutzmaske im Gesicht in das Lokal ein. Nach dem Vorweisen vom Zertifikat durfte man die Maske abnehmen und sich frei bewegen. Eine Erleichterung, denn wer so eine Maske acht Stunden am Tag bei der Arbeit tragen muss, weiss wie anstrengend das ist. Um 20:10 Uhr stieg die Band Headless Project aus Liestal auf die Bühne. Nach dem Abgang von ex-Frontmann Martin Grieder fand man in Flo den neuen Mann hinter dem Mikro und der freute sich sehr auf den Auftritt. „A Case in Point“ eröffnete den Aufritt und gab die musikalische Marschrichtung vor: ein explosives Gemisch aus Rock und Metal mit Metallica/Pantera Einflüsse und einer tiefen, rockigen Stimme von Frontmann Flo. Der Sound war grossartig und entfesselte seine Wirkung auf das Publikum, welches mit viel Applaus reagierte. Man spürte wie sehr Livemusik vermisst wurde und die Zuschauer brachten sich ein. Frontmann Flo glänzte mit einer super Gesangsleistung und Bühnenpräsenz während Gitarrist Alex mit Gitarrensoli aufwartete. Bassist Andi machte eine gute Figur am Bass und durfte seine Fähigkeiten an diesem Instrument unter Beweis stellen und ergänzte den Sound mit groovige Basslinien. Obwohl Gitarrist Alex bei den meisten Liedern mit Gitarrensoli glänzte, durfte der zweite Gitarrist Juri beim letzten Lied „Deadline“ das Rampenlicht nutzen, um seine Fähigkeiten als Gitarrist zu demonstrieren. Coole Aktion von den Jungs. Die „Headless Project“ Rufe waren gerechtfertigt, denn es war eine Freude ihnen beim Spielen zuzusehen. Neben dem neuen Mitglied Flo, ist auch ein neuer Schlagzeuger namens Luc dabei und der durfte sich mit einem Schlagzeugsolo präsentieren. Das war extrem cool und toll gespielt von ihm und markierte den Schluss vom Auftritt der Liestaler Metalband. Sie wurden von den Zuschauern mit viel Applaus verabschiedet, welchen sie sich redlich verdient hatten. Setliste Headless Project A Case in Point Warrior Endless Greed No Last Man Standing Deadline Es folgte eine kurze Unterbrechung und die Bühne wurde umgebaut. Für mich war das eine Erleichterung, denn wegen dem schweisstreibenden Auftritt von der ersten Band, musste ich mich mit einem Getränk erfrischen und durchatmen. Die Pause endete um 21:15 Uhr als die zweite Band des Abends Freakings auf der Bühne stand. Das Trio um Sänger & Gitarrist Jonathan Brutschin, Bassist Tobias Straumann und Schlagzeuger Simon Straumann spielte am heutigen Abend ihr erstes Konzert seit Oktober 2020. Mit „Gladiator“ erklang das erste Lied. Sänger Jonathan Brutschin kündigte ein schnelleres Lied an mit „Rise of Violence“ von ihrem aktuellen Album. Er und Bassist Tobias wechselten immer wieder die Bühnenseite um sich dem Publikum zu präsentieren und lieferten sich Gitarrenduelle. Trotz der musikalischen Härte fand auch Humor seinen Platz im Set, denn „Nuclear Attack“ wurde spasseshalber zu „Corona Attack“ umgetauft und sorgte für Lacher. Es wurde Thrash Metal im Slayer Stil gespielt ohne Zeit zu verschnaufen, denn Vollgas geben gehört bei diesem Trio zum Programm. Da wurden auch Special Effects mit künstlichen Nebelschwaden eingebaut, welche super mit dem wechselnden Licht im Saal harmonierte. Das ging bis zum Lied „Friendly Fire“ gut. Im Eifer des Gefechts riss bei Jonathan Brutschin die Saite an der Gitarre. Dieses Unglück löste er souverän in dem er eine neue Saite in die Gitarre neu einspannte. Das Lied wurde erneut gespielt und dann kam die Ankündigung vom letzten Lied mit „Psychedelic Warfare“. Die Zuschauer waren anderer Meinung und verlangten nach einer Zugabe. Es folgte „King Reigns“. 60 Minuten Spielzeit reichte um mit einer Ladung Thrash Metal zu überzeugen. Solange es Gruppen wie Freakings existieren, wird diese Musik nie sterben. Setliste Freakings Gladiator Rise of Violence Price of Freedom Nuclear Attack Timebomb Thrash Will Never Die Brainwash Dictator of Hate Violent Disaster Friendly Fire Psychedelic Warfare King Reigns Eine weitere Unterbrechung folgte. Um 22:50 Uhr gingen die Lichter aus und ein Intro erklang. Headliner Frijgard  eröffnete mit „Blurry Horizon“ ihren Auftritt. Das Quintett aus dem Fricktal mit Gitarrist Alex (Headless Project) zelebrierte eine eigene Mischung aus Heavy Metal, Pagan Metal, Black Metal und Death Metal, welche sehr interessant mit Spiel von Licht im Saal gezeigt wurde. Die Musik hatte sphärische und melodische Momente, aber auch düstere wenn Sänger Sandro Schreiber seinen todesblei geschwärzten Gesang ins Mikofon hauchte. Die Mitglieder wechselten öfters die Position auf der Bühne für Gitarrenduelle und um sich den Zuschauern von verschiedenen Seiten zu präsentieren. Nach „Bellum Aeternum Est“ folgte ein Medley aus Liedern der verschiedenen Alben der Band. Weil das Publikum den Auftritt abfeierte und das lautstark zeigte, wurde es mit Lob von Sandro belohnt. „Nebelwacht“ hätte als letztes Lied den Auftritt beenden sollen. Aufgrund der positiven Resonanz der Zuschauer wurde nicht eine Zugabe, sondern zwei Zugaben gespielt. Getreu dem deutschen Motto „Doppelt hält besser“. „Warriors“ und „Aftermath“ folgten und beendeten den Auftritt von Frijgard. Es war wieder einmal ein Vergnügen sie live zusehen und leider auch das letzte Mal. Sie verliessen schweissgebadet die Bühne und ernteten viel Applaus für ihren heutigen Auftritt. Das war ganz grosses Kino. Setliste Frijgard Blurry Horizon Falling Stars Bellum Aeternum Est Medley Blazing Ark Haven Crimson Skies Rabenwald Nebelwacht Warriors (Cover Version von I) Aftermath Fazit: Es hatte sich definitiv gelohnt an diesem Anlass teilzunehmen. Alle Bands zeigten an diesen Abend ihr Können und hinterliessen beim Publikum einen hervorragenden Eindruck. Ich genoss die Auftritte sehr und verliess die Veranstaltungsstätte mit einem lachenden Auge wegen der positiven Wirkung der metallischen Klänge auf Seele und Geist und mit einem weinenden Auge, weil ich es schade finde, dass Frijgard sich verabschiedete. Vielen Dank an das Kulturhotel Guggenheim für die Durchführung dieser Veranstaltung in Zeiten von Corona. Ein weiterer Dank geht an die Bands vom heutigen Abend. Livebericht von Dominic Latscha